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Anleihen

Das Wichtigste in Kürze
  • Anleihen sind Wertpapiere, die sich meist durch festgelegte Zinszahlungen auszeichnen.
  • Sie werden von Staaten und Unternehmen herausgegeben, die sich damit Geld an den Kapitalmärkten besorgen.
  • Wer eine Anleihe kauft, gibt dem Herausgeber also einen Kredit.
  • Das Spektrum von Anleihen ist sehr breit: Es gibt sehr sichere, aber auch hochriskante Versionen.
  • Sie können Anleihen einzeln oder in Form von Investmentfonds kaufen. Diese Rentenfonds streuen das Risiko auf viele Einzeltitel, verlangen aber jährliche Verwaltungsgebühren.
  • Anleihen werden derzeit nur sehr niedrig verzinst. Ordentliche Renditen sind nur möglich, wenn das Zinsniveau noch weiter fällt. Wir empfehlen Tagesgeld und Festgeld als Alternative.

 

 

 

Das müssen Sie über Anleihen wissen

 

 

Derzeit werden Anleihen aber nur niedrig verzinst. Die zu erwartende Rendite für eine zehnjährige Bundesanleihe ist seit einiger Zeit sogar negativ und betrug im Oktober 2020 -0,6 Prozent pro Jahr. Ordentlich verzinste Tagesgeldkonten, bei denen Sie täglich an Ihr Geld kommen, bieten derzeit eine höhere Rendite.

 

 

In der Grundform ist eine Anleihe ein Wertpapier, das Dir regelmäßige feste Zinszahlungen verspricht. In den vergangenen Jahrzehnten wurden allerdings viele neue Arten von Anleihen entwickelt und auf den Markt gebracht.

 

 

Auf den ersten Blick scheinen Anleihen komplizierte Wertpapiere zu sein. Bei genauerem Hinsehen lassen sie sich aber gut begreifen, wenn Sie die wichtigsten Eigenschaften kennen:

 

 

Rendite – Die wichtigste Kennzahl ist die zu erwartende jährliche Rendite, die sich aus der Laufzeit, den festgelegten Zinszahlungen, dem Kaufkurs und dem Rückkaufkurs der Anleihe ergibt. Die Rendite wird in Prozent angeben. Sie ist die jährliche Verzinsung, die ein Anleger erwarten kann, wenn er die Anleihe bis zum Laufzeitende im Depot behält. Die wichtigsten Faktoren, die die Rendite beeinflussen, sind das Marktzinsniveau, die verbleibende Laufzeit der Anleihe und die Finanzkraft des herausgebenden Staats oder Unternehmens. Je länger die Laufzeit und je geringer die Bonität, desto mehr Rendite können Sie erwarten.

 

 

Kupon – Die meisten Anleihen schütten regelmäßige Zinszahlungen aus, die auch als Kupon bezeichnet werden. Kupon und Rendite sind aber nicht das gleiche. Während der Kupon festgelegt ist, schwankt die Rendite von Anleihen täglich mit deren Kursen. Bei steigenden Anleihekurse sinkt die Rendite, bei fallenden steigt sie.

 

 

Nennwert – Der Nennwert ist der Betrag, der auf der Anleihe steht und zu dem sie in der Regel zurückgezahlt wird. Anleihen, die auch an private Anleger verkauft werden sollen, haben oft einen Nennwert von 1.000 Euro.

 

 

Kurswert –  Der Kurs von Anleihen wird in Prozent des Nennwerts angegeben. Ein Kurs von 100 Prozent entspricht genau dem Nennwert. Ein Kurs von 110 bedeutet, dass der Wert der Anleihe um etwa 10 Prozent gegenüber dem Nennwert gestiegen ist.

 

 

Restlaufzeit – Die Restlaufzeit gibt an, wann die Rückzahlung der Anleihe erfolgt.

 

 

Kursschwankungen – Die Kurse von Anleihen schwanken. Das liegt daran, dass sich die Rendite dem aktuellen Zinsniveau entsprechend anpasst. Fallen die Zinsen, steigen die Kurse von Anleihen. Bei steigenden Zinsen sinken sie. Das Zinsniveau wird von vielen Faktoren beeinflusst. Zu den wichtigsten zählen das Wirtschaftswachstum, die Inflationserwartungen und die Geldpolitik der Notenbanken. Verleihen die Notenbanken billig Geld, drückt das meistens die Zinsen.

 

 

Handel – Sie können Anleihen an der Börse kaufen und verkaufen. Anleihen werden unterschiedlich häufig gehandelt. Im Fachjargon spricht man auch von Liquidität. Wenn die Wertpapiere seltener gehandelt werden, also weniger liquide sind, können Sie eine höhere Rendite erwarten. Bei einem eventuellen Weiterverkauf müssen Sie allerdings mit Abzügen rechnen, da sich nicht so leicht ein neuer Käufer finden lässt.

 

 

Einzelkauf oder Fonds – Sie können Anleihen entweder einzeln oder als Fonds kaufen. Ein Fonds hat den Vorteil, dass Sie in mehrere Anleihen investierst. Dadurch sinkt die Verlustgefahr durch einen Zahlungsausfall. Dafür verlangt der Fondsverwalter aber eine jährliche Gebühr. Vor allem bei risikoreicheren Anleihen bevorzugen wir die Fondslösung, da Sie das Risiko so auf eine Vielzahl von Einzeltiteln streust.

 

 

Währungsschwankungen – Bei Anleihen, die nicht in Euro, sondern beispielsweise in US-Dollar ausgegeben werden, gehen Sie ein Währungsrisiko ein. Das kann höher sein als die Verzinsung des Wertpapiers selbst. Sei Dir also bewusst, dass mögliche Währungsschwankungen Deinen Gewinn oder Verlust maßgeblich beeinflussen, auch wenn Sie eine sichere Anleihe kaufen.

 

 

 

 

Anleihen lohnen sich derzeit kaum

 

 

Staats- und Unternehmensanleihen von wirtschaftlich soliden Ländern und Konzernen gehören grundsätzlich zu den sicheren Geldanlagen und sind am ehesten mit Festgeld vergleichbar: Der Käufer legt einen gewissen Betrag an, erhält dafür Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nennwert der Anleihe wieder zurück. Derzeit bringt Festgeld höhere Zinsen als eine Anleihe derselben Bank und des zugehörigen Staates mit ähnlicher Laufzeit. Zusätzlich sind die Einlagen bis zu 100.000 Euro pro Bank und pro Person gesetzlich durch die Einlagensicherung geschützt. Jedoch kommen Anleger vor Ende der Laufzeit nur schwer an ihr Geld. Meist ist eine vorzeitige Kündigung nicht oder nur unter Verzicht auf die Zinszahlung möglich.

 

 

Anleihen hingegen haben den Vorteil, dass manche von ihnen, etwa Bundesanleihen, an der Börse gehandelt werden und zum aktuellen Kurs weiterverkauft werden können. Sie kommen also auch vorzeitig an Ihr Geld. Allerdings unterliegen Anleihen nicht der Einlagensicherung. Im Falle der Insolvenz des Herausgebers sind Sie in der Regel mit anderen Gläubigern gleichgestellt und musst mit Verlusten rechnen.

 

 

Derzeit bieten aber sogar die besten Tagesgeldkonten höhere Zinsen als Bundesanleihen mit Laufzeiten von mehr als zehn Jahren. Nur mit spekulativen Anleihen, deren Herausgeber eine niedrige Bonität haben, lassen sich noch höhere Renditen erzielen. Das Verlustrisiko bei diesen Anleihen ist sehr hoch, während bei einem Tagesgeldkonto Verluste so gut wie ausgeschlossen sind. Wir empfehlen Ihnen daher auf Tagesgeld und Festgeld mit Laufzeiten bis zu drei Jahren zurückzugreifen. Von längerfristigen Zinsanlagen raten wir derzeit eher ab.